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Keith Haring
Retrospect (1989)

Weitere Informationen

Littmann Klaus (Hg.), Keith Haring. Editions on Paper 1982-1990. Das druckgrafische Werk, 2. Aufl., Stuttgart 1993, Abb. 120-121. „Ich war immer davon überzeugt, dass man das Leben in vollen Zügen und so umfassend wie möglich genießen sollte – und dass man mit dem, was die Zukunft bringt, eben zurechtkommen muss. Eigentlich dachte ich immer, ein langes Leben ist ein Geschenk – und man hat das Glück, wenn man es bekommt. Aber man kann sich nicht einfach darauf verlassen.“ (Andy Warhol, in: Jeffrey Deitch, Suzanne Geiss, Julia Gruen, Keith Haring, München 2008, S. 9) „Retrospect“ entsteht 1989 ein Jahr nach der AIDS-Diagnose und im Jahr vor dem frühen Tod von Keith Haring. So kann man es wohl auch als Rückblick auf ein zwar viel zu kurzes, aber bewegtes Leben deuten. In Kutztown, Pennsylvania, geboren, kommt Haring 1978 nach New York. Erste öffentliche Aufmerksamkeit erreicht er 1980 mit seinen Graffiti Zeichnungen auf schwarzen Plakatwänden in der U-Bahn. Die einfachen, reduzierten Figuren haben einen hohen Wiedererkennungswert und bald spricht ganz New York von diesem jungen Künstler. Das Arbeiten im öffentlichen Raum entspricht ganz Harings Credo, dass Kunst für alle da sein soll, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf Kunst hat: „Ich möchte Kunst machen, die von so vielen Individuen wie möglich erfahren und erkundet werden kann, mit ebenso vielen individuell verschiedenen Ideen zu dem jeweiligen Werk, das keine endgültige Bedeutung vorgibt. Der Betrachter schafft die Realität, die Bedeutung, die Wahrnehmung des Werkes.“(Keith Haring, Tagebucheintrag 14. Oktober 1978, in: s.o., S. 13) Harings Kunst ist zwar figurativ aber auch gleichzeitig abstrakt, er überzieht seine Bildflächen wie mit Mustern und setzt bewusst einen reduzierten Formenkanon ein. In den frühen 1980er Jahren entstehen auch das „Radiant Baby“, ein mit einem Strahlenkranz umgebenes, oft krabbelndes Wesen, und - in Anlehnung an die Erschießung John Lennons vor dem Dakota Building in New York - der Mann mit dem Loch im Bauch. Die Strahlen nennt Haring „Energiewellen, die alles, was sie treffen, mit dieser Energie füllen.“ (Keith Haring, Tagebucheintrag 14. Oktober 1978, in: s.o., S. 15). Seine Figuren sind nonverbale Symbole, eine Vereinigung aus primitiver Kunst und Pop Art, zu deren wichtigem Vertreter der Künstler zählt. Haring ist neben Andy Warhol und Jean Michael Basquiat eine fixe Größe in der New Yorker Kunstszene, Stammgast im legendären Studio 54 und in Warhols Factory und findet bald wichtige Galeristen wie Tony Shafrazi, die ihn ausstellen und fördern. „Retrospect“ ist wie eine Bildfolge in Comics oder wie eine Bildgeschichte angelegt. Keith Haring denkt und malt in Gedichten, die einzelnen Bilder können nicht nur als Bilder sondern auch als Worte gelesen werden. Er vereint sein in Jahren erarbeitetes Formenvokabular in diesem Bild und erzählt uns so die Stationen eines bewegten Lebens. (Sophie Cieslar)

Zum Künstler

Der amerikanische Maler, Zeichner und Grafiker Keith Haring ist ein Hauptvertreter der Graffiti-Kunst aus dem New York der 1980er Jahre. Anders als die meisten Sprayer besaß er eine akademische Kunstausbildung. Er studierte ab 1976 an der School of Professional Art Pittsburgh und ab 1979 an der School of Visual Arts New York. Harings Stil vereint Tendenzen der Graffiti-Kunst, der Pop Art und des Comic. In stark reduzierter, linearer Formensprache mit schwarzen Konturen und leuchtenden Farben zeichnet er Strichmännchen und einfache Piktogramme. Wichtigste Motive sind dabei die menschliche Figur, das Baby und der Hund. Seinem Freund Andy Warhol widmet er die Figur „Andy Mouse“. Diese von ihm selbst „icons“ genannten Markenzeichen waren auf eine schnelle und einfache Verbreitung angelegt und wurden neben Leinwand auf Hauswänden, Mauern (u.a. 1986 auf der Berliner Mauer), Plakaten der New Yorker U-Bahn („Subway-Drawings“) und Bauzäunen angebracht. 1984 entstehen bemalte Gipsabgüsse von Michelangeloskulpturen, die ebenso wie die späteren monumentalen Stahlskulpturen an seine von Robert Mapplethorpe fotografisch dokumentierten body paintings anknüpfen. Neben oft heiter anmutenden, tanzenden Figuren zeigt sein Werk gesellschaftskritische Aspekte und Bezüge auf die christliche Ikonographie. 1987 entstehen Bilder für Kampagnen gegen Aids und Drogen. 1982 war er auf der documenta 7 und 1984 auf der Biennale in Venedig vertreten. Artikel Keith Haring aus der freien Enzyklopädie Wikipedia – General Public License (GPL) für freie Dokumentation
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